Der Herr ist mein Hirte – die „Gott prüft mich“ Falle

Rückschläge gehören zum Leben so sagt man, auch wenn manche es erst im Laufe des Lebens so wirklich verinnerlichen.

Wir alle kennen Menschen die von Pechsträhnen verfolgt werden, oder haben es selbst erlebt. Während die einen es mit eiserner Fassung ertragen (und versteinern), zerbrechen andere daran, oder tragen ihr Leid wie eine Trophäe vor sich her, um gesehen zu werden.

„Seht mich an, wie schlecht es mir geht, Gott prüft meinen Glauben, meine Standfestigkeit, meine Kapazität zu ertragen.“

Was hat es nun wirklich auf sich mit den Rückschlägen, Gottes Prüfungen und dem menschlichem Leid?

Die spirituelle Nebelkerze

Wenn Menschen anfangen jedes (teils selbstverursachte) Chaos zur „göttlichen Prüfung“ zu erklären, wird es gefährlich. Wer sagt „Gott prüft mich“ gibt die Verantwortung über sein Leben an den Schöpfer ab und vergisst, dass dieser ihm das Geschenk des freien Willens machte. Gott schenkte uns den freien Willen, auf dass wir selbst entscheiden, wie wir damit umgehen. Der Stier der auf der Wiese grast denkt sich nicht, „Gott prüft mich“, wenn der Wolf ein Tier aus der Herde reißt. Er flieht, oder er verteidigt, aber er beschuldigt niemanden. Die Natur gibt, die Natur nimmt sie wahrt das Gleichgewicht, sie straft nicht, sie ordnet. Sie ist ein rundum funktionierendes Ökosystem.

So tut es mir leid, dass ich an dieser Stelle einen Strich durch die spirituelle Verblendung machen muss (Sorry, not sorry :P), aber vielleicht heißt, „Gott prüft mich“ auch nur „Ich weigere mich hinzuschauen, warum mein Leben gerade gegen die Wand fährt“? Könnte ja sein, oder 😉

Ich verstehe das schon, es ist bequem, sich als Märtyrer einer höheren Macht zu stilisieren. Es schmeichelt dem Ego etwas besonderes zu sein, gar auserwählt von Gott unter den „unbewussten“ Menschen zu Leben, als „Lichtgestalt“ und „Heilsbringer“, nicht? Es befreit einen von der Pflicht den Zaun zu reparieren, sich selbst zu hinterfragen, oder sich einzugestehen, dass man vielleicht immer am selben Punkt wieder scheitert…oder wie ich es gerne nenne, immer an die selbe Wand läuft.

Wenn Gott es ist, der mich prüft, dann muss ich die Schuld nicht bei mir suchen, dann sind es die bösen unbewussten Nachbarn, die gemein sind, oder die anderen sind „noch nicht weit genug, noch nicht Licht genug“. Oder Gott selbst ist der Schuldige. Der Allmächtige vor dem man sich beweisen muss, wie vor einem römischen Kaiser, der den Daumen nach oben, oder nach unten hält?

Undenkbar natürlich, dass andere vielleicht nur darauf reagieren, was sie sehen…

Spiritueller Narzissmus – die Licht und Liebe Falle.

Was wäre also, wenn man den Gedanken zulässt, dass Gott kein Richter, kein Prüfer ist, sondern einfach nur fair? Was wäre, wenn wir unser Unglück (wenn auch unbewusst) höchstselbst verursachen? Was wäre, wenn die Pechsträhne nur eine Botschaft ist und keine Strafe? Die Krankheit nur eine Stufe des Alarmsystems, dass einen auf etwas aufmerksam machen will? Das einen anschreit hinzusehen?

Die Natur prüft nicht – sie reguliert

Oft verbirgt sich hinter der „Prüfung“, oder besser gesagt der eigenen Manifestation ein massiver Energiestau. Entweder verschleudern wir unsere Lebensenergie, weil wir keine Grenzen haben, oder wir wollen Energie (Geld, Zeit, Aufmerksamkeit) von anderen stehlen, um ein Energie Leck auszugleichen. Im schlimmsten Falle kommt beides zusammen.

Beispiel: Person A hat keine Grenzen und verliert Energie an Projekt X, um das auszugleichen holt sie sich Energie von Person, oder Projekt F.

Das mag vielleicht sogar eine Weile funktionieren, ist am Ende aber doch ineffizient, weil es Abhängigkeiten schafft. Bricht nur eine Energiequelle weg, bricht die ganze Kette zusammen.

Wenn wir also auf Energie anderer zugreifen uns nehmen was uns nicht gehört. Sicherheit und Bestätigung von anderen abzweigen, dann wird das Leben das ausgleichen. Früher, oder eben später. Aber Geld, dass wir uns unrechtmäßig von jemanden nehmen bleibt nicht, es vergammelt. Es geht verloren an Andere, an Behörden, oder Ähnliches. Es entsteht sozusagen ein energetisches Übergewicht, oder eben ein Unglückgewicht.

Das Gleichnis vom gekippten Fischweiher

Stellen wir uns ein Ökosystem vor, einen Fischweiher. Ein Weiher hat eine natürliche Kapazität. Er kann eine bestimmte Anzahl an Fischen, Pflanzen und Mikroorganismen gesund erhalten. Was passiert aber, wenn ich aus einem Ego getriebenen Drang (Helfersyndrom, Retter Syndrom, dem Wunsch nach mehr Profit) immer mehr Fische in diesen Weiher werfe? Wenn ich die Warnsignale ignoriere, dass das Wasser trüb wird, dass der Sauerstoff knapp wird, weil ich glaube meine „Liebe“ zu den Fischen, oder meine „Gier nach Profit“ würde die Gesetze der Biologie außer Kraft setzen?

Irgendwann kippt der Weiher. Die Fische sterben.

Wenn ich dann am Ufer stehe und sage: „Gott prüft mich aber hart mit diesem Fischsterben“, dann ist das kein Glaube, sondern Realitätsverweigerung. Gott hat nicht in den Weiher eingegriffen – ich habe das Gleichgewicht zerstört. Der Tod der Fische ist hier kein Schicksalsschlag, kein Unglück, sonder die Konsequenz, mit der die Natur das System radikal bereinigt, weil ich versäumt habe, Grenzen zu setzten und Verantwortung für die Kapazität zu übernehmen.

Der Tod eines Tieres, das Scheitern eines Projekts, oder ein Zusammenbruch sind oft die einzige Sprache, die wir noch verstehen, wenn wir die leisen Signale ignoriert haben.

Werde dein eigener Hirte.

Die Spiritualität liegt nicht im „Erdulden von Prüfungen“, sondern in der Klarheit des Handelns.

  • Es bedeutet unsere Angst in Struktur zu wandeln
  • Es bedeutet aufzustehen und Paroli zu bieten
  • Es bedeutet Verantwortung für unsere Mitschuld zu übernehmen, dass der Weiher gekippt ist
  • Es bedeutet einzusehen, dass wir die Architekten unseres Chaos sind

Gott ist kein Lehrer der mit der Peitsche hinter dem Vorhang steht. Das Leben ist ein Spiegel.

Wenn einem das Bild nicht gefällt, nützt es nichts den Spiegel als Prüfung zu sehen, man muss sich das Gesicht waschen.

Wer willst du sein? Der Botschafter des Leids, oder der Verursacher deiner Welt?

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